1:12 Initiative für gerechte Löhne Schweiz

Publiziert: 2013-03-21, 00:51 Uhr | → 10 Kommentare
Autor: Eidgenoessische Abstimmungen CH


Die Volksinitiative 1:12 Initiative für gerechte Löhne in der Schweiz.

Weiterführende Informationen: 1:12-Initiative Schweiz – PRO CONTRA Abstimmung 2013

UPDATE & NEWS: 1:12-Abstimmung – Ergebnis und Resultate Schweiz

Entwicklung Managerlöhne Schweiz - 1:12-AbstimmungAls Mitarbeiter in einem Jahr mehr als 299 Mal so wenig verdienen wie ein anderer Mitarbeiter in einem Jahr. Das können Sie sich nicht vorstellen? Doch ist dies in vielen Schweizer Grossbetrieben genauso üblich.

Um solche eklatanten Lohnunterschiede für die Zukunft zu verhindern hat die Schweizer Juso eine entsprechende Initiative zur Abstimmung lanciert. Die sogenannte Eidgenössische Volksinitiative „1:12 – Für gerechte Löhne“. Die Abstimmung findet am 24. November 2013 statt.

Inhalt:

 

Die Abstimmung zur 1:12 Initiative – 2013

Die 1:12 Initiative wurde am 6. Oktober 2009 im Bundesblatt veröffentlicht. Von dem Zeitpunkt an befand sie sich in der Sammelphase und erhielt bis zum 21. März 2011 insgesamt 113'005 gültige Unterschriften, welche sie bei der Bundeskanzlei einreichten.

Die Initiative hat drei grosse Ziele: Zum einen soll es eine gerechte 1:12 Lohnzahlung geben, die dadurch ausgezeichnet ist, dass der Maximallohn in einem Unternehmen auf das Zwölffache des tiefsten Lohnes im selben Betrieb beschränkt wird. Diese Regelung soll gesetzlich in der Bundesverfassung verankert werden.

Des weiteren sollen mit der 1:12 Regelung zukünftig Millionensaläre und Boni-Zahlungen in Schweizer Unternehmen verhindert werden. Es soll künftig dem Volk möglich sein, die Gesetze in der Lohnregelung mitzugestalten. Anders wie es momentan ist, wo Manager ihre Löhne quasi eigenständig festlegen dürfen.

 

Economiesuisse bekämpft die 1:12 Initiative wie schon die Abzocker-Initiative mit Millionen

Aufwind hat die 1:12 Initiative der Juso auch mit dem wuchtigen JA in der Abstimmung zur Abzocker-Initiative von Thomas Minder erhalten. Seither befindet sich die 1:12 Volksinitiative und die kommende Abstimmung ganz besonders im Gesprächsfokus der Bevölkerung. Der Economiesuisse schlottern derweil die Knie, anders ist die auffallend zur Schau gestellte Zurückhaltung und das Abkehren vom ursprünglichen Kampagnenplan nicht zu deuten.

Die Reputation der Economiesuisse hat im Abstimmungskampf zur Abzocker-Initiative ganz schön was abbekommen – weit mehr als nur eine leichte Schramme. Derart dilettantisch und stümperhaft wurde die Gegenvorschlag-Kampagne geführt angesichts der sprudelnden Millionen im Kampagnenbudget. Novartis-Chef Daniel Vasella und der polarisierende Economiesuisse-Film «Grounding 2026» von Sennentuntschi-Regisseur Michael Steiner schaden dem Economiesuisse Verein nachhaltig und weit über die Abstimmung hinaus. Die Economiesuisse, das ist der Wirtschaftsdachverband der Schweiz und gleichzeitig die mächtigste Lobby im Parlament im Bundeshaus Bern mit einem rekordverdächtigen Lobbymitgliederanteil von fast 50 % sämtlicher gesetzesgebenden Parlamentarier der Schweiz, Nationalräte sowie Ständeräte. Der Economiesuisse-Lobbygruppe «Industrie und Handel» gehören knapp die Hälfte aller gewählten Volksvertreter im Nationalrat und Ständerat an. Also jene Personen, welche sich nach einer Eidgenössischen Abstimmung durch das Schweizer Stimmvolk jeweils für die konkrete Umsetzung  verantwortlich zeigen.

Allein schon deshalb hat sich die Economiesuisse kurzerhand entschlossen, in den Hintergrund zu treten und nurmehr möglichst diskret und ohne Namensnennung weiterhin Millionen von Schweizer Franken in die Kampagne zu pumpen und hinter dem Vorhang die Fäden zu ziehen. Das mediale Scheinwerferlicht wird derweil auf den Gewerbeverband eingestellt. Dieser Verband soll ein positiveres Licht auf die Gegner-Kampagne der 1:12-Entlöhnung werfen.

 

Die Befürworter für ein JA zur 1:12 Volksinitiative

Befürworter findet die Volksinitiative „1:12- Für gerechte Löhne“ vor allem von der Sozialdemokratischen Partei SP Schweiz und der Grünen Partei, sowie dem Schweizerischen Gewerkschaftsbund SGB und der Gewerkschaft Unia. Auch vom Schweizer Volk gibt es laut aktuellen Meinungsumfragen eine mehrheitliche deutliche Unterstützung der 1:12 Initiative beim Stimmvolk.

 

Die Gegner der 1:12 kämpfen für Beibehaltung der Millionen Lohnunterschiede

Trotz breiter Zustimmung stehen den Befürwortern der 1:12-Initiative auch viele Gegner dieser Initiative entgegen. Es wird von Politikern mit zumeist überdurchschnittlich hohem Einkommen befürchtet, dass eine Durchsetzung der 1:12 Lohn Ziele das Grundproblem der Lohnunterschiede nicht lösen würde, sondern im Gegenteil zu noch neueren Problemen führen würde.

Die 1:12 Initiative führe unter anderem zu einer Schwächung der Schweiz als Wirtschaftsplatz – die ewiggestrige lahme Argumentation bei jeder nachteiligen Abstimmung für hochbezahlte Wirtschaftsvertreter. Des weiteren warnen Economiesuisse und Co. mit einer Abwanderung der Grosskonzerne ins Ausland. Kennen wir das nicht schon von Daniel Vasella angedrohtem Novartis Wegzug aus der Schweiz ins Ausland? Was ist seither passiert? Nichts. Der Novartis-Sitz ist nach wie vor hier in der Schweiz beheimatet – alles nur Bluff und heisse Luft? Allein aus Steuergründen (siehe Glencore Steuern Schweiz = 0) und aus Reputationsgründen ist die Schweiz die einzige wirkliche Option für den Konzern. Nach der Drohung an die Schweizer Stimmbevölkerung, sowie der Anzeige gegen Novartis und Vasella und dem Bekanntwerden der Abgangsentschädigung in der Höhe von 72 Millionen wurde Vasella vom Stimmvolk hochkant aus dem Land gejagt, währenddessen die Novartis-Aktionäre ihrem Dividenden-Held an der Aktionärsversammlung weiterhin die Stange hielten. Einige andere Grossunternehmen aus der Schweiz wie Nestlé haben dies gemäss den Aussagen und Warnungen der Economiesuisse auch schon im Vorhinein angedroht.

 

Eidgenössische Abstimmung zur 1:12-Initiative

Der Volksinitiative werden gute Chancen auf Annahme durch das Stimmvolk der Schweiz eingeräumt. Jüngste Umfragen ergaben einen JA-Anteil von 49,5%. Bei den NEIN-Stimmen waren es derweil deutlich weniger.

Bisher bleibt die Entwicklung zu beobachten und auf die Ergebnisse der Abstimmung, welche am 24. November 2013 stattfinden wird, zu warten. Weiterführende Informationen zur 1 zu 12 Initiative und Abstimmung der Juso gibt es hier.


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Zuletzt aktualisiert am: 2013-11-25 um 22:25 Uhr
Autor: Eidgenoessische Abstimmungen CH

→ 10 Kommentare

10 Gedanken zu „1:12 Initiative für gerechte Löhne Schweiz

  1. Steffi

    Ich finde das Argument des Lohndiktats vom Staat falsch. Richtigerweise ist es ein Lohndiktat durch das Volk. Und das Volk sind wir. Der Erfolg kommt nicht durch die überbezahlten Managerlöhne – sondern durch die qualifizierten Mitarbeiter. Wenn der günstigste Mitarbeiter 3'000 Franken pro Monat verdient so bekommt der Höchstbezahlte 3'000 x 12 = 36'000 Franken pro Monat. Und kortollieren lässt sich das auch leicht über die Lohnabrechnung. Und wenn es Schlupflöcher gibt, so ist mir das eigentlich egal. Ich habe wirklich keine Argumente wieso ich gegen die Initiative Stimmen sollte.

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  2. Simon

    Ich finde es nicht richtig, dass zum Teil so riesige Unterschiede bei den Lohnsummen sind. Und verstehe alle, welche dem ein Ende bereiten wollen. Das ist auch richtig so.

    ABER ich finde es falsch dies über Gesetze zu regeln. Lasst uns eine clevere Lösung finden, wie es für die Schweiz typisch ist. Lasst uns steuerliche Anreize bieten für Firmen, welche einen Faktor von 1:12 einhalten. Dies würde unsere KMU fördern und schlussendlich den Wirtschaftsplatz Schweiz stärken.

    Lasst euch nicht von eurer Wut blenden und denkt langfristig. Lg

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  3. Rolf Rothacher

    Die Initiative ist ein einziger Witz, denn im Text ist nicht einmal erwähnt, dass für den Vergleich von 1:12 nur die CH-Löhne beigezogen werden. Wenn ein Unternehmen z.B. in China eine Betriebsstätte unterhält, darf es in der Schweiz auch nur noch das 12fache der China-Löhne bezahlen, also einen Höchstlohn von etwa 1500 CHF pro Monat.

    Wenn jedoch nur CH-Löhne beigezogen werden, wie wird dann verhindert, dass die CH-Unternehmen ihr Management einfach über ihre ausländischen Töchter bezahlt? (und dort dann auch Steuern und Sozialabgaben abliefert!!!)?

    Falls dies jedoch gesetzlich verboten wird, dann werden die Unternehmen ihren Hauptsitz ins Ausland verlegen. Und spätestens hier endet die blauäugige Illusion der Jusos.

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  4. Katharina Sommer

    Wichtig ist, dass die da 'oben' begreifen, dass die da 'unten' die Schnauze voll haben von Top Shots, die angeblich nur mit astronomischen Salären zu gewinnen seien. Ganz ehrlich: Mir ist lieber eine engagierte Unternehmens-Person, die noch ethische Werte vertritt sitzt ganz oben, als ein Abzocker, der oder die dann eh ein Unternehmen bloss aushölt, zu Schrott fährt, sich abseilt – aber eben, angeblich einen unentbehrlich, tollen Job macht…..

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  5. Meier Irina

    Ich finde die Initiative zu eng: Wird die Initiative angenommen, werden einfach das  tief verdienende Personal gekündigt und dafür werden Firmen mit diesen Arbeiten beauftragt. Wie in Deutschland werden die Leute, die von diesen Firmen angestellt (wenn überhaupt – eventuell nur temporär oder Leiharbeit) werden, noch schlechter bezahlt.

    Es wird sich als Bärendienst erweisen. Die Leidtragenden werden die Geringverdiener sein.

    Ein vernünftiger Faktor würde diese Entwicklung verhindern.

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  6. Peter

    Ihr habt ja wohl einen Knall – die 1:12 Initiative ist höchst wirtschaftsschädlich für die Schweiz. Wie kann man so beschränkt sein… vielleicht selbst etwas mehr arbeiten und was mehr verdienen anstatt bei den anderen rumzumotzen dass sie zuviel verdienen – aber nein, dann müsste man sich ja anstrengen!

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    1. air2997

      Ich persönlich finde deine Kommentar völlig unangebracht. Es geht ja eben gerade darum, dass vielleicht der Chef der Firma 299mal soviel verdient wie der arbeitende Angestellte. "Aber nein da muss man sich ja anstrengen" das ist einfach eine Beleidigung an alle Arbeitenden Schweizer. Ich persönlich finde nicht das die Chefs in gewissen Firmen mehr arbeiten als ein normaler Angestellte aber trotzdem 299mal soviel verdienen könnte. DAS finde ich Schwachsinn. Ich finde es wäre sogar Wirtschaftsfördernd, da einigermassen ausgeglichene Löhne in den Firmen verteilt werden und somit nicht das ganze Geld auf eine klein Gruppe verteilt wird. Das wäre ja so wie im Mittelalter.

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  7. stone1

    Ich bin zwar Österreicher, unterstütze eure Initiative dennoch. Falls es hier ebenfalls mal eine Abstimmung zu diesem Thema geben sollte (mehr direkte Demokratie ist ja ein Hauptanliegen der Österreicher, mal sehen was die nächste Legislaturperiode in dieser Hinsicht bringen wird).

    Viel Glück!

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